Oh, wie schön ist Helmstedt – Besuch beim Landrat

Am 1. September besuchte eine Gruppe von Geflüchteten mit Vertretern des Vereins „Willkommen in Lehre e.V.“ Helmstedt und traf dabei mit Landrat Radeck zusammen.

Wie kam es dazu?

Helmstedt ist Sitz der Behörden, die z.B. für die Verlängerung von Ausweisen der in Lehre untergebrachten Geflüchteten zuständig sind. Eine lästige Angelegenheit, die Einheimische meist mit dem privaten Auto lösen.  Aber wie kommen die Geflüchteten in die Kreishauptstadt? Wer Glück hat, findet eine von Ehrenamtlichen organisierte Mitfahrgelegenheit. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dagegen ist es eine weite Fahrt mit Linienbussen über Wolfsburg nach Helmstedt. Sie dauert knapp 2 Stunden. Und die Versuchung, gleich in Wolfsburg zu bleiben, ist groß. Die Fragen der Geflüchteten: „Warum können wir nicht hier zum Jobcenter gehen oder zur Ausländerbehörde oder zum Sozialamt?“, sind verständlich.

Mohamed J. aus dem Irak drückt das folgendermaßen aus: „Ich muss 4 Stunden mit dem Bus fahren, um eine Verlängerung für meinen Pass zu erhalten, was eigentlich in 10 Minuten erledigt ist.“

Sine S. aus Mali sagt: „In Helmstedt gehe ich nur zu den Behörden und warte auf meine Termine. Das ist für mich nicht schön. Alles nur Probleme, im Jobcenter, im Sozialamt, in der Ausländerbehörde! Die Stadt kenne ich gar nicht“.

Fahrt nach Helmstedt unter dem Motto „Oh, wie schön ist Helmstedt“ 

Mitglieder des Vereins „Willkommen in Lehre“ wollen dieses negative Image verbessern und Helmstedt auch mal von einer anderen Seite zeigen. Darum machte sich eine kleine Gruppe von Vereinsmitgliedern zusammen mit Geflüchteten mit dem Linienbus auf den Weg nach Helmstedt. Die Initiative „Stiftungen helfen“ aus Hannover unterstützte dankenswerterweise das Projekt unter dem Titel „Oh, wie schön ist Helmstedt“ finanziell.

Besuch beim Landrat – Verbesserungen in Aussicht

In Helmstedt angekommen ging es zum Juleum, wo alle vom Landrat, Gerd Radeck, zu einer Gesprächsrunde empfangen wurden. Verstärkt wurde hier die Reisegruppe durch den Bürgermeister, Andreas Busch, aus Lehre und dessen Stellvertreter, Tobias Breske. Die Geflüchteten schilderten in deutscher Sprache ihre Probleme in ihrem neuen Wohnort. So wurde die schwierige Wohnsituation in den Containern angesprochen und die beinahe aussichtslose Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. Die fehlende Anbindung der Siedlung Kampstüh mit Bussen an den Ort Lehre und die langen Anfahrtswege bei Behördengängen in Helmstedt waren ebenso Thema.

Der Landrat zeigte Verständnis für diese Probleme, wies aber darauf hin, dass selbst Einheimische mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Bürgermeister Busch und Landrat Radeck erkannten, dass über viele der angesprochenen Probleme durchaus noch einmal neu nachgedacht werden muss. Die Besuchsgruppe erhielt von Landrat Radeck und Bürgermeister Busch die Zusage, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für eine bessere Busanbindung der Muna/Kampstüh an den ÖPNV und für eine bürgerfreundliche Verwaltung einzusetzen. So soll der Vorschlag, regelmäßige Sprechstunden des Landkreises zu ausländerrechtlichen Angelegenheiten in Lehre zu schaffen, wohlwollend geprüft werden.

Positive Eindrücke in Helmstedt gewonnen

Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen ging der Tag ging weiter mit einer Führung durch das Juleum und mit einem Stadtrundgang. Alle lobten den freundlichen Empfang durch die Menschen in Helmstedt. Die Geflüchteten aus Afrika und dem Irak waren beeindruckt von der Geschichte der Stadt und seinen schönen Fachwerkhäusern.

Amara S. aus der Elfenbeinküste erklärte: „Für mich war Helmstedt vorher nicht schön, aber jetzt sage ich, Helmstedt ist eine super-schöne Stadt, mit sehr guten Menschen.“

Und Fofana A. aus dem Sudan wusste: „Der Sudan ist seit 5 Jahren geteilt. Viele Familien leiden unter der Teilung. Ganz in der Nähe von Helmstedt gab es auch eine Grenze durch Deutschland, die Familien und Freunde trennte.“  Die Stadtführerin ergänzte: „Diese Grenze bestand 30 Jahre lang, aber dann wurde sie überwunden – ohne Krieg“. Fofana A. sagt: „Der Sudan muss das auch schaffen.“